Kolumbiens langer Weg zum Frieden

Nach über 50 Jahren Krieg kommt der Friedensprozess in Kolumbien harzig voran. Doch setzen sich viele Menschen tagtäglich für ein friedliches Zusammenleben in ihrem Umfeld ein. An der gestrigen Abendveranstaltung «Für den Frieden von Morgen» im RomeroHaus Luzern wurden zwei solche lokale Initiativen vorgestellt.

Mirjam Kalt, Koordinatorin des Kolumbienprogramms von COMUNDO, lebt und arbeitet in Bogotá. Sie gab Einblick in die Situation von Kolumbien heute – zehn Monate nachdem sich die Guerilla FARC-EP und die Kolumbianische Regierung auf ein Friedensabkommen geeinigt hatten. Anhand einer symbolischen Friedensampel zeigte sie auf, in welchen Bereichen die Umsetzung des Abkommens gut vorankommt resp. noch hapert. Positiv zu werten sei die Verbesserung der politischen Teilhabe ethnischer Minderheiten und die grossräumigen Minenentschärfungen, an denen sich vor allem die FARC beteilige. Diese habe sich offiziell für das grausame Massaker im Dorf Bojoyá vor rund 15 Jahren entschuldigt und damit einen wichtigen Versöhnungsschritt gemacht. Im roten Bereich liege hingegen der politische Wille für die Wiedergutmachung der Gräueltaten und die Entschädigung der Opfer.

Gewalt und Vertreibung halten an
Seit der Unterzeichnung des Abkommens habe die Gewalt wieder zugenommen, da andere bewaffnete Gruppierungen ehemalige Territorien der FARC übernahmen. Diese würden die betroffene Landbevölkerung terrorisieren und Jugendliche rekrutieren, was weiterhin zu massiven Vertreibungen führe. Kolumbien weise nach Syrien weltweit die höchste Rate an vertriebenen Menschen auf. Die Drogenproblematik werde zwar angegangen – nationale Programme fördern die Ausrottung von Kokapflanzen und den Anbau von Kartoffeln und anderen Pflanzen – doch gab Mirjam Kalt zu bedenken: «Solange die Verhältnisse im Agrarbereich nicht gerechter sind und das Land umverteilt wird, sind Kokaanbauer auf die Einnahmen durch den Drogenanbau angewiesen und halten verständlicherweise daran fest.»

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