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10.03.2024

Vielfältige Tools für eine gerechtere Welt

Die Welt der Entwicklungszusammenarbeit verändert sich ständig. Deshalb versucht Comundo mit der Zeit zu gehen und die verfügbaren Instrumente, sowie möglichen Formen der Zusammenarbeit permanent anzupassen. Wie dies gelingt, berichtet die Leiterin des internationalen Programms von Comundo, Corinne Sala.

«Es geht letztlich darum, effektiver zu werden, um noch mehr Menschen helfen zu können.» Corinne Sala

In den letzten Jahren hat Comundo seine Formen der Kooperation und Zusammenarbeit erweitert, um die Lebensqualität von noch mehr armutsbetroffenen Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor auf dem Wissensaustausch von Menschen, doch verfügt Comundo nun über ein vielfältigeres Instrumentarium, z. B. gezielte Finanzierung von Projekten vor Ort, die Arbeit in so genannten thematischen Clustern oder eine flexiblere Einsatzdauer für Fachleute.

Corinne Sala, können Sie erklären, was ein Programmansatz bedeutet?

Mit der Aufnahme von Interteam in die Comundo-Allianz ab 2021 haben wir den thematischen Schwerpunkt in jedem Land verstärkt, so dass alle unsere Partnerorganisationen (POs) in den Ländern an verwandten Themen arbeiten. So besteht die Möglichkeit, spezifisches Wissen, spezifische Fähigkeiten und Erfahrungen über Projekte und Partner hinweg auszutauschen. In Kenia, Namibia und Sambia liegt der Schwerpunkt auf Bildung, in Nicaragua und Bolivien eher auf Ernährungssicherheit und in Kolumbien und Peru auf dem Thema Umwelt- und territoriale Gerechtigkeit. Der Programmansatz ermöglicht uns auch den Einsatz von Instrumenten, die den langfristigen Wissensaustausch ergänzen: Die direkte Projektfinanzierung, die 2021 eingeführt wurde, funktioniert sehr gut, ebenso wie die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen POs über thematische Cluster.

Besteht nicht die Gefahr, dass diese Entwicklung das Wesen von Comundo verfälscht? Denn Comundo betreibt ja eine besondere Art der Zusammenarbeit, nämlich den Wissensaustausch zwischen Menschen zur Verbesserung der Lebensbedingungen.

Nein, im Gegenteil, sie stärkt es. Im Zentrum unserer Arbeit steht nämlich nach wie vor das Modell des Austauschs von Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungen durch Fachleute und dies über lange Zeiträume. In dieser Dynamik werden unsere Fachleute vor Ort zunehmend als Vermittlerinnen und Vermittler von Lern- und Veränderungsprozessen gesehen. Um diese Prozesse zu unterstützen, brauchen wir starke Partner: Die gezielte Finanzierung von Projekten unserer Partner ermöglicht es uns, diese zu stärken. Ebenso die gemeinsame thematische Arbeit (Clusterarbeit): Wenn sich mehrere lokale Nichtregierungsorganisationen auf ein Thema konzentrieren und es schaffen, zusammenzuarbeiten, können sie strukturelle Veränderungen bewirken. Letztlich geht es darum, unsere Wirkung zu verstärken und effizienter, sowie effektiver zu sein.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

In Sambia gibt es mehrere Partner, die im Bereich des Kinderschutzes tätig sind. Dank ihrer gemeinsamen Arbeit im thematischen Cluster konnten sie Wissen und Erfahrungen austauschen und so das gegenseitige Lernen fördern. Im Laufe der Zeit ist es ihnen gelungen, sich in einem autonomen, von Comundo unabhängigen Konsortium zu organisieren, das Beratung zu diesem Thema anbietet und gemeinsame Leitlinien und Verfahren entwickelt hat. Auch der Dachverband der 450 Gemeinschaftsschulen in der Region Lusaka hat von dieser Arbeit profitiert und sie durch spezifische Leitlinien für Mädchen und Kinder mit Behinderungen ergänzt. Hier zeigt sich das ganze Potenzial der Programmarbeit: Dank des Clusters werden Synergien geschaffen, die einen Multiplikatoreffekt haben und der es wiederum ermöglicht, eine größere Zahl von Partnern und Begünstigten zu erreichen.

Wie sind die Zukunftsaussichten?
 
Die Welt entwickelt sich schnell, wir dürfen aber keine Angst vor Veränderungen haben; denn unser Ziel ist es, noch effektiver und schneller auf die Bedürfnisse unserer Partner und von Armutsbetroffenen reagieren zu können. Deshalb wollen wir in der Planungsphase für die Jahre 2025-28 eine noch größere Agilität fördern. Wir denken zum Beispiel an eine weitere Stärkung der Clusterarbeit, die in einigen Ländern bereits gut funktioniert, während sie in anderen Ländern mehr Schwung braucht. Die Zusammenarbeit zu bestimmten Themen kann auch nationale Barrieren überwinden, z. B. durch den Süd-Süd-Austausch zwischen POs, die sich mit ähnlichen oder ergänzenden Themen befassen. Aber das ist noch nicht alles: Wir müssen auch die Möglichkeit von kürzeren Einsatzdauern prüfen; Einsätze, denen dank der Digitalisierung vielleicht eine Fernbegleitung folgt. Und schliesslich: Warum nicht auch mehr Süd-Nord-Austausch fördern, mit Menschen, die aus unseren Austauschländern in die Schweiz kommen, um uns mit ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen zu unterstützen und noch authenthischer über ihre Situationen berichten können?
 

Ein konkretes Beispiel - Jugendförderung in ländlichen Gemeinden Boliviens

Ein schönes Beispiel für diese Art von programmatischer Arbeit, bei der verschiedene Arten von Untertützung zum Einsatz kommen, ist die Unterstützung der bolivianischen Organisation "Fundación Machaqa Amawta" (FMA)". Álvaro Meruvia, eim Kommunikationsfachmann, begleitete von 2018 bis 2022 die Organisation als lokale Comundo-Fachperson und wurde dann von der FMA selbst eingestellt. In den Jahren 2021-2022 wurde ausseredem Projekt der Organisation finanziert, das darauf abzielt, die Führungsqualitäten von jungen Personen zu fördern und ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben. Diese finanzielle Unterstützung wird bis Ende 2025 fortgesetzt, und seit Juli 2023 wird die FMA auch von der Fachperson Marie Rappaport unterstützt.
 
Die Früchte dieser Arbeit zeigen sich bereits: 2022 wurde das kommunale Jugendgesetz verabschiedet, dank des Einsatzes lokaler Vertreter aus den verschiedenen Gemeinden. Mit diesem Gesetz soll eine immer aktivere Beteiligung der jungen Generation am öffentlichen Leben der ländlichen Gemeinden gefördert werden.
 
Auch die aktuelle Geschichte um Romina Yupanqui Marca zeigt, wie abgewanderte Menschen in ihren ländlichen Gemeinden wieder eine Zukunftsperspektive erhalten.