Eine andere Perspektive auf die Welt

Corinne und Klaus von Muralt sind von ihrem Einsatz mit COMUNDO in Nicaragua zurück. Die Berner blicken auf drei bereichernde Jahre zurück.

Warum packt man seine Sachen, gibt seine Wohnung auf und zieht für drei Jahre nach Mittelamerika für einen Einsatz der Personellen Entwicklungszusammenarbeit? «Es gibt so viele Menschen auf dieser Welt, die in grösstem Leid leben. Wir wollten als Privatpersonen etwas tun und einen Unterschied machen, statt einfach nur zu spenden», so Klaus von Muralt. «Auch den eigenen Horizont wollten wir erweitern», ergänzt seine Frau Corinne. So machen sich die beiden im Januar 2014 mit COMUNDO auf nach Nicaragua, zusammen mit ihrer damals sieben Monate alten Tochter Tilda.

Kommunikation stärken
Die beiden Journalisten arbeiteten im Kommunikationsbereich bei Partnerorganisationen von COMUNDO: Corinne von Muralt engagierte sich in der Öffentlichkeitsarbeit und der internen Kommunikation von Los Pipitos in Managua, einer Elternvereinigung, die sich für Kinder und Jugendliche mit Behinderung einsetzt. Eine wichtige Aufgabe in Nicaragua, wo trotz der Einführung mehrerer Gesetze für die soziale Integration von Menschen mit Behinderung deren Lebensbedingungen sehr schwierig geblieben sind.

Klaus von Muralt beriet die Landarbeiter- und Kleinbauernorganisation ATC-UNAPA in Kommunikationsfragen und bildete deren Mitarbeitende weiter. «Wir haben vor allem mit jungen Leuten zusammengearbeitet und sie in Journalismus und Kommunikationsarbeit ausgebildet», erzählt er. «Wir produzierten gemeinsam die Mitgliederzeitschrift der Organisation; und zwar partizipativ, so dass sich alle von der Organisation beteiligten und nicht nur ein paar Leute vom Kommunikationsbereich.»
Für Corinne von Muralt war die Ausgangslage eine andere: «Als ich bei Los Pipitos ankam, arbeitete niemand sonst in der Kommunikation», erzählt sie. So ging es darum, selbst Kontakte zu knüpfen und die Stelle stark selbst zu gestalten. «Das war schwierig, aber interessant.» Ihre Projektziele wurden erreicht: «Die Organisation wurde auf Kommunikationsarbeit sensibilisiert und erarbeitet nun eine entsprechende Strategie. So ist das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Kommunikation gewachsen, obwohl die Organisation ein ganz anderes Kerngeschäft hat.»

Bereicherung auf beiden Seiten
Doch haben nicht nur Menschen vor Ort von Klaus‘ und Corinne von Muralts Einsatz profitiert, sondern auch die beiden Berner nehmen vieles mit nach Hause – persönlich, zwischenmenschlich, fachlich. «Ich besuchte Weiterbildungskurse in partizipativen Lerntechniken, die wir dann auch angewandt haben», erzählt Klaus von Muralt. «Und im persönlichen Bereich lernte ich, hartnäckig zu sein und dranzubleiben. Oft ging es darum, wenn man nicht weiterkam, das zu akzeptieren und einen anderen Weg zu suchen.» Interkulturelle Sensibilität und die Entwicklung eines gewissen Gespürs seien Kompetenzen, die auch für die Zukunft in der Schweiz hilfreich seien: «Ich habe einiges fürs Leben gelernt.» Dazu gehöre auch, plötzlich ungeahnte Kräfte mobilisieren zu können, wenn man gefordert sei. «Man merkt, dass man zu ganz vielem fähig ist, wenn man muss. Und sei es nur, sich in den dortigen Strassenverkehr zu wagen», gibt Klaus von Muralt als Beispiel.

Corinne von Muralt schätzt es, dass sie sich in Graphic Design weiterbilden konnte. Und sie hebt ebenfalls die Interkulturalität als bereicherndes Erlebnis hervor: «Sie weitet einerseits den eigenen Horizont – ich lernte durch die Menschen viele verschiedene Lebensrealitäten kennen und lernte, offen zu bleiben. Andererseits lernt man sich selbst besser kennen, da man auf sich selbst zurückgeworfen ist.» Beeindruckt hätten sie die vielen starken Frauenfiguren, denen sie in Nicaragua begegnete. Und der Umgang mit den Kindern: «Kinder können einfach sein, wie sie sind, es gibt nicht so viele Erwartungen an ihr Verhalten wie hier. Und man schimpft fast nie mit ihnen.»
Die eigenen Kinder, die inzwischen vierjährige Tilda und einjährige Robin, waren eine grosse Bereicherung des Aufenthalts des Paars. «Die Menschen dort finden Kinder toll, es ergeben sich durch sie viele Kontaktmöglichkeiten», erzählt Klaus von Muralt.

Bleibende Wirkung
Das Engagement der beiden hat bleibende Wirkung hinterlassen: Corinnes Arbeit soll weitergeführt werden, die Organisation sucht eine Nachfolgerin für sie. Im Projekt von Klaus Muralt wurde diese bereits gefunden: Eine Mitarbeiterin wurde zur lokalen Fachperson von COMUNDO, um die gemeinsame Arbeit weiterzuführen.
Die beiden Journalisten sind nun daran, sich ihr Leben in der Schweiz wieder einzurichten. Klaus ist seit seiner Rückkehr als Mediensprecher beim Bundesamt für Statistik in Neuchâtel tätig; Corinne von Muralt möchte künftig in den Bereichen Kommunikation oder Migration / Integration tätig sein. Mit Dankbarkeit blicken beide auf die letzten drei Jahre voller neuer Lebenserfahrungen zurück: «Der Einsatz war bereichernd, spannend und interessant», so Corinne, «er gibt einem viel Freiraum, sich selbst zu hinterfragen.» Klaus ergänzt: «Es ist sehr wertvoll, eine andere Perspektive auf die Welt zu bekommen.»

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