«Wir haben weltweit Einfluss aufeinander»

COMUNDO-Fachperson Nuria Frey engagiert sich in Peru für den Schutz und die gerechte Verteilung der Lebensressource Wasser. Wie sie dabei vorgeht und wieso es neben Entwicklungsprojekten auch verbindliche Regeln für internationale Konzerne braucht, erzählt die Geografin im Interview und Anfang Juni in Vorträgen in Bern, Riehen und Luzern.

Nuria Frey analysiert zusammen mit ihren Arbeitskollegen eine selbst hergestellte Landkarte, welche die Quellen und Bäche rund um den Piuray-See zeigt. © COMUNDO

Nuria Frey, Sie engagieren sich in Peru für ein soziales Wassermanagement. Was ist damit genau gemeint und wieso braucht es das?
Peru steht bezüglich seiner Wasserressourcen vor grossen Herausforderungen. Einerseits sind diese von Natur aus ungleich verteilt: In der dicht besiedelten pazifischen Küstenzone kommt nur ein kleiner Teil des kostbaren Guts an, das restliche Wasser fliesst via Amazonas Richtung Atlantik. In den Anden haben wir während eines halben Jahres keine Niederschläge. Peru gilt als das drittmeist vom Klimawandel betroffene Land weltweit, die Auswirkungen spüren wir schon heute. Wirtschaftsaktivitäten wie z.B. Bergbauprojekte oder die Agroindustrie verbrauchen sehr viel Wasser. Dadurch entstehen Konflikte, etwa zwischen der ländlichen Bevölkerung und Grosskonzernen, welche das Wasser nutzen. Das soziale Wassermanagement hat zum Ziel, das Wasser möglichst gerecht zu verteilen, dabei die Anliegen der Dorfgemeinschaften miteinzubeziehen und das Machtgefälle zwischen den Akteuren zu berücksichtigen.  
 
 
Was können Entwicklungsprojekte wie das Ihre zum Schutz des Wassers beitragen?
Das Projekt meiner Partnerorganisation «Centro Bartolomé de las Casas» (CBC) in Cusco fokussiert auf ein konfliktfreies Management des Wassers und auf Strategien zur Anpassung an den Klimawandel. In der Projektumsetzung verbinden wir modernes Wissen mit traditionellen, jahrhundertealten Techniken zum Wasser- und Bodenschutz. Water und Land Grabbing – also die grossflächige Vergabe von Wasser- und Landrechten an mächtige Agro- und Bergbaukonzerne – ist hier in Peru ein grosses Thema. Oft fehlt der ländlichen Bevölkerung die nötige Information, um sich dagegen zu wehren. Wir bilden die Dorfgemeinschaften, mit denen wir zusammenarbeiten, diesbezüglich weiter. Darüber hinaus sensibilisieren wir Behörden und andere regionale Entscheidungsträger für ein soziales Wassermanagement. Wir möchten auch Verständnis dafür schaffen, dass Menschen das Wasser kulturell bedingt verschieden wahrnehmen, resp. damit umgehen.
 
 
COMUNDO und andere Organisationen haben in der Schweiz die Konzernverantwortungsinitiative (KOVI) zum Schutz von Mensch und Umwelt lanciert. Was könnte diese in Peru verändern?
Im Süden des Departements Cusco, in der Provinz Espinar, befindet sich die Glencore-Mine Antapaccay. Das Betreiben einer solchen Mine benötigt viel Wasser. Je nach Situation bleibt für die Bevölkerung nicht genügend Wasser übrig, oder es wird mit Schwermetallen und sonstigen chemischen Substanzen belastet – so geschehen in Espinar. In derartig gravierenden Fällen von Wasserverschmutzung mit Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen käme die Konzernverantwortungsinitiative zum Zuge – das Vorgehen der Bergbaufirma hätte entsprechende rechtliche Konsequenzen. Grundsätzlich müssten im Rahmen des Sorgfaltsprinzips gleich zu Beginn, also vor der Eröffnung eines neuen Bergbauprojekts, entsprechende Massnahmen erarbeitet und umgesetzt werden, um die Risiken zu mindern.
 
 
Welche Ziele verfolgt die Partnerorganisation CBC, abgesehen vom sozialen Wassermanagement?
CBC engagiert sich für kleinbäuerliche und indigene Bevölkerungsgruppen in den Anden, deren Bedürfnisse nach wie vor oftmals vernachlässigt werden. Mit Hilfe von Forschung, Bildung und Wissensaustausch fördert das CBC die vermehrte Autonomie dieser Bevölkerungsgruppen, um demokratische Strukturen und eine vielfältige, interkulturelle Gesellschaft zu fördern. Wir sehen uns als Verbindungsglied zwischen Kulturen, Weltanschauungen und Fachrichtungen.
 
 
Welche persönlichen Erfahrungen können Sie einbringen und was motiviert Sie, diesen Einsatz zu machen?
Als studierte Geografin bringe ich vielseitige Kenntnisse im Bereich des Erhebens und Verarbeitens von geographischen Daten sowie der Systematisierung von Wissen mit. Zudem kann ich von früheren Auslanderfahrungen in Lateinamerika als Menschenrechtsbeobachterin und im Bereich Umweltbildung profitieren. Die erlebten Ungerechtigkeiten machen mich wütend und ich will etwas dagegen tun. Dank der Sensibilisierungsarbeit von COMUNDO werden meine Erfahrungen in die Schweiz getragen und ermutigen die Menschen hierzulande vielleicht, sich Gedanken über globale Zusammenhänge und die eigene Lebensweise zu machen. Es reicht nicht, wenn sich nur in Peru etwas verändert. In der globalisierten Welt haben wir alle gegenseitig Einfluss aufeinander.
 
 
VORTRAGSREIHE
Wasserschutz in Zeiten des Klimawandels und Water Grabbings
Nuria Frey, COMUNDO-Fachperson, berichtet aus ihrem Entwicklungseinsatz in Peru
Dienstag, 4. Juni 2019, 19.00 Uhr | Kornfeldkirche, Riehen
Donnerstag, 6. Juni 2019, 18.30 Uhr | Polit-Forum Käfigturm, Bern
Dienstag, 11. Juni 2019, 18.30 Uhr | Parterre, Luzern

Kostenloser Eintritt
Weitere Infos: www.comundo.org/agenda

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