«Mich fasziniert der fachliche Austausch»

Seit September unterstützt Kristin Hentschel in den Philippinen die COMUNDO-Partnerorganisation ‚Sisters of the Immaculate Heart of Mary‘ in der Förderung ökologischer Landwirtschaft. Ihre Hauptaufgabe wird die Schulung und Begleitung von Landwirtinnen und Landwirten sein.


COMUNDO-Fachperson Kristin Hentschel unterstützt in den Philippinen die COMUNDO-Partnerorganisation in der Förderung ökologischer Landwirtschaft.

Von Köln in Nordrhein-Westfalen nach Baguio City in der philippinischen Provinz Benguet, auf 1500 Meter über Meer gelegen. Ein beträchtlicher Kontrast, der die studierte Agronomin Kristin Hentschel allerdings sehr reizt, wie sie sagt. Ebenso die vielfältigen Herausforderungen, die sie während ihres Einsatzes in den nächsten drei Jahren erwarten werden.
 
Intensive Landwirtschaft zerstört die Umwelt
Die Provinz Benguet im Norden der Philippinen ist wegen des gemässigten Klimas und der Hochlage ein geradezu idealer Ort für den Gemüseanbau. Eigentlich. Intensive Anbaumethoden und starke Eingriffe in die natürliche Umwelt z.B. durch Bergbau haben die landwirtschaftliche Produktivität verringert – existenzbedrohend für die Bauernfamilien und die wachsende, mehrheitlich arme Bevölkerung in der Gegend.
 
Die Organisation ‘Sisters of the Immaculate Heart of Mary‘, in der Kristin Hentschel tätig sein wird, setzt sich seit bald zwanzig Jahren für die Förderung einer nachhaltigeren Landwirtschaftsmethode ein. Kleinbauern werden ausgebildet, selbst Saatgut für einheimisches Gemüse zu produzieren, biologischen Dünger einzusetzen und insbesondere  auch mehr Sorten anzupflanzen. Mit dem Effekt, auf dem Absatzmarkt ihr Angebot diversifizieren und auch selbst von einer ausgewogeneren Ernährung profitieren zu können. 
 
Pragmatische Herangehensweise
«Ziel ist nicht Öko-Landwirtschaft per se, sondern geeignete Methoden zu finden zur langfristigen, nachhaltigen Sicherung der landwirtschaftlichen Produktivität», sagt Kristin Hentschel, «doch eine nachhaltige Methode ist oft eine ökologische.»
 
Dieser Pragmatismus passt zu Kristin Hentschel, die sich denn auch einem sehr praktischen Beruf verschrieben hat. «Die Landwirtschaft ist etwas Essentielles, es geht ganz konkret ums Überleben.» Auch sei ihre Motivation nicht unbedingt eine rein helferische, sondern eine berufliche. «Mich fasziniert der fachliche Austausch auf gemeinsamem Feld, zwischen Menschen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen, Weltregionen und Kulturen.»
 
Erfahrung im Gepäck
Dass sich Kristin Hentschel in der Entwicklungsarbeit engagieren würde, hat sich bereits früh abgezeichnet. In Deutschland engagierte sie sich in der Integration von Flüchtlingen. Nach ihrem Studium verbrachte sie ein Jahr in Kapstadt, Südafrika, bei einer NGO für ökologischen Gartenbau in den Townships. Dort habe sie schon einiges an interkultureller Erfahrungen gesammelt, sagt sie: «Als ungeduldiger Mensch lernte ich zuzuhören, Interesse zu zeigen, mich ins soziale Gefüge zu integrieren. In dieser Zeit nahm ich schon viele Fettnäpfchen mit». Sie weiss nun: Entwicklung braucht Zeit.
 
Ihre Erwartungen für ihren Einsatz in Baguio? «Ich gehe nicht mit dem Anspruch, mein vermeintlich überlegenes Wissen sozusagen ex cathedra zu vermitteln.» Kristin Hentschel möchte vielmehr ihr eigenes professionelles Verständnis auf lokalen Verhältnisse und Bedürfnisse anpassen, ihr Wissen adaptieren, um gemeinsam mit den Menschen vor Ort neue Wege und Lösungen zu finden. «Die Bäuerinnen und Bauern verfügen selbst über ein enormes Wissen. Vielleicht kann ich auch mithelfen, dass sie ihrem Können noch mehr vertrauen und es sich noch verstärkt zunutze machen in ihrem Alltag», sagt Kristin Hentschel, die als weitere Perspektive ihres Einsatzes auch Forschungspartnerschaften mit Universitäten ins Auge fassen möchte. Dies sei aber noch Zukunftsmusik. «Ich hoffe, ich kann mich nützlich machen und werde akzeptiert werden», so Hentschel. «Erstmal aber ins richtige Flugzeug steigen», lacht sie. Wir wünschen ihr viel Erfolg.

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