«Ich sehe mich als Lautsprecher von COMUNDO»

COMUNDO-Botschafter, TV-Moderator, Buchautor: Das ist Röbi Koller heute. Lehrer, Taxifahrer, Putzmann – das war er früher. Wie das alles gekommen ist, schildert er in seinem neuen Buch «Umwege» mit Episoden aus seinem Leben – und im Gespräch mit COMUNDO.

Röbi Koller zu Besuch bei COMUNDO-Fachperson Regina Jesse, die in Kabwe, Sambia, HIV-Kranke betreut. Bild: Marcel Kaufmann / COMUNDO

COMUNDO: Röbi Koller, nach zwei Biografien – über den Bergsteiger Stephan Siegrist und den körperlich stark eingeschränkten Hochschulprofessor Nils Jent – haben Sie ein autobiografisches Buch geschrieben. Ein Geschenk für Sie selber zum Sechzigsten?
Röbi Koller: Gar nicht. Es war auch keine Autobiografie geplant. Ursprünglich wollte ich ein Buch mit Taxigeschichten schreiben. In jungen Jahren habe ich mir als Taxifahrer das Studium finanziert. Diese Erfahrung wollte ich neu aufleben lassen. Und so habe ich beschlossen, die Taxifahrprüfung zu wiederholen, was Pflicht ist, wenn man nicht regelmässig berufshalber fährt. Doch dann habe ich gemerkt, dass sich auch die Taxiwelt verändert hat. Beispielsweise unterhalten sich Kundinnen und Kunden lieber mit dem Handy als mit dem Chauffeur. Als Plattform für mein Buch kam es daher nicht mehr in Frage.

Und Sie standen plötzlich ohne Konzept da.
Irgendwie hat sich das Projekt dann verselbstständigt. Ich habe einfach weitergeschrieben, Episoden aus meinem Leben reihten sich aneinander. Der rote Faden, so stellte sich heraus, waren meine Reisen. Aber nicht nur das Reisen im wörtlichen Sinn, sondern auch wichtige Stationen in meinem Leben. Fragmente aus der Kindheit, dem Familienleben, Ups und Downs, dem beruflichen Werdegang. Auch aus Taxifahrten im In- und Ausland, als Fahrer und als Passagier. Und weil das auf Umwegen so gekommen ist, heisst der Titel des Buches «Umwege». So hatte ich plötzlich ein neues Konzept.

Thematisieren Sie im Buch auch die Reisen mit COMUNDO?
Natürlich. Dank COMUNDO durfte ich Orte kennenlernen und Menschen begegnen, an die ich anderweitig niemals herangekommen wäre. Es waren nicht immer schöne Orte, aber interessante – Slums, Favelas, Strohhütten in der Steppe. Das waren und sind prägende Eindrücke und Erfahrungen.

Inwiefern prägend?
Die Armut erleben, sie riechen, die Leute über ihr beschwerliches Leben sprechen hören, sich dem Elend aussetzen – das ist schon etwas anderes, als darüber zu lesen oder eine Reportage im Fernsehen zu schauen. Da wird einem erst richtig bewusst, was für ein privilegiertes Leben man selber führt. Man wird dankbarer, demütiger.

Sie engagieren sich als «Botschafter» für COMUNDO – und das schon seit zwölf Jahren. Was genau ist Ihre Rolle?  
Ich sehe mich als Lautsprecher von COMUNDO, als Multiplikator. Ich erzähle Geschichten. Zusammen mit dem Fotografen Marcel Kaufmann besuche ich alle ein bis zwei Jahre Einsatzleistende in ihren Projekten vor Ort und wir realisieren Videos sowie Print- und Online-Reportagen. Meine Bekanntheit durch meine Moderationstätigkeit bei Schweizer Radio und Fernsehen SRF dient COMUNDO als Plattform, um auf sich als Organisation der Personellen Entwicklungszusammenarbeit aufmerksam zu machen und mehr Leute zu erreichen. Umgekehrt bin ich dankbar, dass mir COMUNDO so lange treu geblieben ist.