Kleine Schritte mit grossen Auswirkungen

Manchmal braucht es wenig, um die Lebenssituation von Kindern mit Behinderung und ihren Eltern zu verbessern. Einen Hinweis etwa, wie mit einer Verhaltensstörung umgegangen werden kann. Die Evaluation einer geeigneten Therapiemassnahme. Oder die Mithilfe bei der Suche nach einer Schule. Für COMUNDO-Fachperson Christian Schubarth, der in Nairobi bei einem Berufsverband für Therapeut_innen und Sonderpädagog_innen als Kommunikationsberater im Einsatz ist, sind dies Geschichten aus dem Alltag. Letzthin war er zu Besuch bei COMUNDO in Luzern.

Christian Schubarth

SEP – Special Education Professionals – ist kein Berufsverband, wie man ihn in der Schweiz kennt. Eher ist es eine Selbsthilfeorganisation kenianischer und internationaler Berufsfachleute, die lokale Fachkräfte in Physio- und Ergotherapie oder Sonderpädagogik weiterbildet, aber auch Therapie- und Sensibilisierungsarbeit ausführt. Auf der Geschäftsstelle von SEP arbeiten ein gutes Dutzend aktive Mitglieder, die regelmässig Einsätze in verschiedenen Institutionen leisten oder Projekte aufgleisen. So auch Christian Schubarth, der sie in der Organisation und Konzeption von Anlässen und in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.

Mit Rat und Hilfe zur Selbsthilfe
Die rund 100 Mitglieder von SEP verpflichten sich jährlich zu fünf Tagen Freiwilligenarbeit. So werden wöchentlich Konsultationstage an verschiedenen Orten durchgeführt, wo sich minderbemittelte Familien mit Kindern mit Behinderungen Rat und Hilfe zur Selbsthilfe holen können. Manchmal kommen mehrere hundert Ratsuchende vorbei. Die Auswirkungen nach bereits einem Besuch können für Betroffene bemerkenswert sein: Als Beispiel schildert Christian Schubarth die Geschichte von Nash, einem heute sechsjährigen Jungen mit zerebraler Kinderlähmung. Als Nash eineinhalbjährig war, lernte seine Mutter zwei Therapeutinnen von SEP kennen, die neue Therapiemöglichkeiten für ihren Sohn aufzeigten. Nash machte rasch Fortschritte, wurde kommunikativer und beweglicher.

Betroffene werden zu Multiplikatoren
Als nächsten Schritt suchte die Mutter eine Schule für Nash. Bald wurde sie in ihrer Wohngegend fündig. Es brauchte etwas Überzeugungsarbeit, doch schliesslich wurde Nash aufgenommen. Er brauchte etwas länger, um das ganze Schulprogramm zu absolvieren. Und er benötigte mehr Aufmerksamkeit von der Lehrerin, zum Beispiel kann er den Bleistift nicht selber führen. Aber nun ist die Vorschule beendet, und Nashs Mutter sucht eine neue weiterführende Schule für ihren Sohn. Die Therapeutinnen von SEP helfen ihr dabei. Nashs Fortschritte dank der Teilnahme am Schulunterricht bewogen die Mutter, sich für die Integration von Kindern mit Behinderungen in der Schule einzusetzen. Als Multiplikatorin mit persönlicher Erfahrung unterstützt sie SEP bei der Sensibilisierungsarbeit. Etwa an den «Awareness»-Days, wo SEP vor ausgewähltem Publikum die Möglichkeiten für Therapie und Eingliederung behinderter Kinder aufzeigt.     

Mehr Physiotherapie dank COMUNDO
Neben Christian Schubarth ist zurzeit noch eine weitere Fachperson von COMUNDO bei SEP tätig: Constanze Motzka. Die Physiotherapeutin beendet diesen Sommer ihren fünfjährigen Einsatz in Kenia. Ziel ihres Projekts war, die Physiotherapie als Fach ins interdisziplinäre Team von SEP einzubringen und aufzubauen. Dies ist ihr gelungen, heute ist die Physiotherapie neben der Ergotherapie und der Sonderpädagogik fester Bestandteil bei SEP. Längerfristig soll eine weitere Disziplin ins Programm aufgenommen werden. Die Logopädie, eine in Kenia wenig verbreitete Therapieform. Dass das Ansinnen gelingen kann, zeigt das Beispiel der Physiotherapie eindrücklich.