Zehn neue Fachpersonen brechen in den Süden auf

Wieder ist es so weit: Zehn Frauen und Männer reisen als COMUNDO-Fachpersonen in verschiedene Länder der Welt aus, um sich gemeinsam mit Partnerorganisationen vor Ort für mehr soziale Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen einzusetzen.

V.l.n.r vorne: Amanda Kaufmann, Myriam Coleman, Florence Frossard, Loic Studer. Hinten: Theres Höchli (Leitung Ausreisekurs), Harry Boldt, Nicole Maron, Eveline Wicki, Markus Kieper, Marianne-Sonja Kieper, Philippe Kaufmann. Bild: Marcel Kaufmann, COMUNDO

Für Eveline Wicki ist schon lange klar, dass sie sich in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren möchte. Deshalb hat die Luzernerin nach der kaufmännischen Lehre Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Nonprofit-Management studiert. «Mir ist es wichtig, auf ein soziales Ziel hinzuarbeiten, dies aber gerne mit möglichst effizienten Mitteln», begründet sie ihre Studienwahl. Seite Mitte Januar 2017 kann sie das Gelernte nun in Kenia anwenden: In Kiserian, etwa dreissig Kilometer südwestlich von Nairobi, arbeitet sie für die nächsten drei Jahre bei der COMUNDO-Partnerorganisation «Apostles of Jesus Aids Ministries» (AJAM). Diese glaubensbasierte Organisation unterstützt lokale Gemeinschaften in Kenia dabei, gemeinsam, eigenverantwortlich und nachhaltig gegen HIV/Aids und Armut anzukämpfen. Eveline Wicki wird die AJAM beim Aufbau von Strukturen, Systemen und Prozessen unterstützen, um nachhaltig personelle und finanzielle Ressourcen bilden zu können. Dazu bildet sie AJAM-Mitarbeitende weiter und coacht sie. Weiter entwickelt sie für AJAM eine Fundraising-Politik und -Strategie. Die Stärkung von lokalen und internationalen Partnerschaften gehört ebenfalls in ihr Tätigkeitsfeld.

Regelmässigen WENDEKREIS-Leser/innen ist der Name Nicole Maron schon längst ein Begriff: Während rund drei Jahren hat sie als Redaktorin für das Magazin gearbeitet und in dieser Zeit zahlreiche Artikel geschrieben. Ausserdem war sie bei COMUNDO mitverantwortlich für den Web-Auftritt und die Social-Media-Aktivitäten. Für ihre Arbeit stand sie regelmässig mit COMUNDO-Fachpersonen im Austausch: «Durch diese Kontakte wuchs bei mir der Wunsch, selbst für COMUNDO in einen Einsatz zu gehen», sagt die 36-jährige Zürcherin, die vor ihrer Tätigkeit für den WENDEKREIS ein Jahr lang im kurdischen Teil der Türkei gelebt und als Sprachlehrerin gearbeitet hat. Die Chance für einen Einsatz ergab sich, als die bolivianische Organisation ACOVICRUZ bei COMUNDO für eine Partnerschaft nachfragte. ACOVICRUZ setzt sich von Santa Cruz im Amazonasbecken aus dafür ein, dass die in diesem Departement lebende Bevölkerung ihre demokratischen Rechte kennt und diese auch ausüben kann. Ab Anfang Februar 2017 ist es die Aufgabe von Nicole Maron, ACOVICRUZ in der internen und externen Kommunikation zu unterstützen und sie so in der Öffentlichkeitsarbeit, der Organisationsentwicklung und der Vernetzung zu stärken.

Am 1. April 2017 gibt der erfahrene Medienpädagoge und Ingenieur Harry Boldt sein gut eingespieltes Leben in Aachen, Deutschland, auf und bricht ins Ungewisse auf. Sein Ziel: die abgelegene 40 000-Einwohner-Stadt Embu in Kenia. Dort wird er an einer technischen Berufsschule der COMUNDO-Partnerorganisation Don Bosco arbeiten. Der Wunsch nach einem Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit begleitet ihn schon länger. Jetzt, wo seine mittlerweile erwachsene Tochter selbst ins Ausland geht, ist es für ihn Zeit geworden, seinen Traum wahrzumachen. «Die Herangehensweise und das Prinzip, auf Augenhöhe mit der einheimischen Bevölkerung zu arbeiten und gegenseitig voneinander zu lernen, hat mich bei COMUNDO sofort überzeugt», sagt Harry Boldt. An der Berufsschule wird er die Lehrpersonen weiterbilden und sie bei der Planung und Durchführung des Informatikunterrichts unterstützen. Er freut sich darauf, mit seinem Beitrag die beruflichen Perspektiven von Jugendlichen in Kenia zu verbessern.

Marianne-Sonja und Markus Kieper aus Zürich sind ab Februar 2017 beim «Cultural Heritage Research Center» (CHRC) in Tabuk, Philippinen, tätig. Infolge von Stammesfehden, Verlust von kultureller Identität und Umweltzerstörung kommt es in der Region immer wieder zu Gewalt und Konflikten. Das CHRC trägt durch die Stärkung der Bevölkerung und die Wiederbelebung traditioneller Rituale, insbesondere des indigenen Justizsystems «Bodong», zur Friedensförderung bei. Als Tanz- und Bewegungstherapeutin und Schulsozialarbeiter können Marianne-Sonja und Markus Kieper das CHRC dabei sehr gut unterstützen. Marianne-Sonja begleitet und schult die Traumaheiler/innen und vermittelt ihnen die Methode der Tanz- und Bewegungstherapie. Zudem engagiert sie sich für den Erhalt traditioneller Tänze, wodurch die Verbundenheit mit der Natur gefördert wird. Markus leistet durch Sensibilisierung und Beratung einen Beitrag zur Verwirklichung der Kinderrechte. Es sei für sie eine grosse Chance, einen Einsatz in der Personellen Entwicklungszusammenarbeit leisten zu können, berichteten sie kurz vor ihrer Ausreise: «Wir möchten im Kleinen zur besseren Verständigung und einem Ausgleich zwischen Süden und Norden beitragen.»

Philippe und Amanda Rego Kaufmann freuen sich darauf, in Sambia eine völlig andere Kultur und Lebensweise kennenzulernen. Der Arbeitsagoge und die Englischlehrerin reisen am 1. Mai 2017 nach Lusaka aus. Dort wird Philippe Rego Kaufmann, ein ehemaliger HOPLAA-Praktikant, die «Sani Foundation» unterstützen. Diese Partnerorganisation von COMUNDO setzt sich für die Bildung und berufliche Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung ein. «In Lusaka gibt es sehr wenige Angebote zur Förderung dieser Menschen», erklärt Philippe Rego Kaufmann. «Sie werden stigmatisiert und haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt.» Der Berner wird sich innerhalb des Sunshine Zambia Projects im Bereich der Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen und Ausbildner/innen engagieren. Ziel ist die Entwicklung eines formalisierten Lehrgangs mit einem verbindlichen Ausbildungshandbuch für die Mitarbeitenden. Dadurch soll längerfristig auch erreicht werden, dass die Ausbildung von der TEVETA, der staatlichen Stelle für Berufsausbildung, anerkannt wird.   

Bereits im August 2016 reiste Marco Ventriglia, Ökonom aus Bioggio, für ein Jahr nach Léon in Nicaragua aus. In den Mangrovenwäldern an der Pazifikküste Nicaraguas leben die Menschen hauptsächlich vom Fischfang, von der Garnelen- und Salzproduktion, dem Verkauf von Brennholz sowie extensivem Ackerbau und Viehwirtschaft. «Die Überbewirtschaftung und regelmässige Hurrikane zerstören die Wälder und damit die Lebensgrundlage der Menschen», erzählt Marco Ventriglia. Die Fundación Amigos del Rio San Juan (FUNDAR) setzt sich für nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und für den Schutz der Biodiversität ein, betreibt Sensibilisierungsarbeit im Bereich Umwelt und fördert den Ökotourismus. Marco Ventriglia absolviert ein einjähriges Praktikum bei FUNDAR und unterstützt die Frauenkooperative Marcelino Mendez, die Muscheln und Fische züchtet und verkauft, in den Bereichen Administration, Finanzverwaltung und Planung.

Aus der französischsprachigen gehen ausserdem Florence Frossard und Loïc Studer mit COMUNDO in den Einsatz. Sie sind am 12. Januar in Perus Hauptstadt Lima ausgereist, wo Florence Frossard die nächsten drei Jahre die COMUNDO-Partnerorganisation «Movimiento Ciudadano frente al Cambio Climático» unterstützen wird. Myriam Coleman, ebenfalls aus der Westschweiz, wird auf den Philippinen ein einjähriges Praktikum machen.


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