Nach drei Einsatzjahren aus Sambia zurückgekehrt

COMUNDO-Fachperson Markus Schär hat für drei Jahre das «Kasisi Agricultural Training Centre» (KATC) unterstützt, ein Ausbildungszentrum und Modellbetrieb für Biolandwirtschaft in der Nähe von Lusaka, Sambia. Vor Kurzem ist der Biolandwirt in die Schweiz zurückgekehrt und berichtet im Interview mit COMUNDO von schönen, aber auch schwierigen Seiten seines Einsatzes.

Einsatz Markus Schär in Sambia

In der Hofmolkerei des «Kasisi Agricultural Training Centre», bei deren Aufbau COMUNDO-Fachperson Markus Schär mitgearbeitet hat, werden Joghurt, Feta, Halloumi, Weissschimmelkäse, Rahm und Sauerrahm hergestellt.


COMUNDO: Du bist im April 2015 nach Sambia gereist mit dem Ziel, das KATC bei der Vergrösserung der Milchviehherde und der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu unterstützen. Was ist für dich persönlich das Wichtigste, was du bewirken konntest?
Markus Schär: Während meines Einsatzes haben wir am KATC eine Hofmolkerei aufgebaut, in der Joghurt, Feta, Halloumi, Weissschimmelkäse, Rahm und Sauerrahm hergestellt werden. Durch die Vermarktung dieser Produkte in Lusaka kann das KATC Gewinne erzielen und seine finanzielle Situation verbessern. Meine langjährigen Erfahrungen im Bereich der Milchverarbeitung haben beim Aufbau der Molkerei sehr geholfen. Die zusätzlichen Einnahmen tragen dazu bei, dass das KATC sein Bildungs- und Beratungsangebot im Bereich des Biolandbaus in die Zukunft führen kann. Die Kleinbäuerinnen/-bauern profitieren sehr davon: Biolandbau bildet für sie die Grundlage, um die Fruchtbarkeit ihrer Böden zu erhalten und die Abhängigkeit von Agrar-Multis zu verringern.
Da der Versuch mit der Molkerei positiv ausgefallen ist, kann das KATC nun darauf aufbauen. So haben wir noch vor Ende meines Einsatzes die Grundlagen für ein grösseres Molkereiprojekt entwickelt, das in der Pipeline ist.

Was war deine Motivation für den Einsatz und würdest du nochmals gehen?
Dank verschiedener günstiger Umstände habe ich mich damals vor drei Jahren für den Einsatz entschieden. Themen rund um die Nord-Süd-Problematik, wie z.B. strukturelle Ausbeutung oder der Klimawandel, beschäftigen mich schon länger und es reizte mich, auf praktische Art in diesen Zusammenhängen für mehr soziale Gerechtigkeit weltweit zu arbeiten. Zudem interessiere ich mich sehr für die Biolandwirtschaft, die ich als grosse Chance für die Länder des Südens betrachte. Schlussendlich wollte ich ganz einfach ein Abenteuer erleben und erfahren, was unser Planet sonst noch so an Lebenswelten zu bieten hat. Und ja, ich würde den Einsatz in Sambia noch einmal machen: Der lebendige, fröhliche Groove der Leute hat auf mich abgefärbt. Das tönt zwar etwas klischeehaft. Doch es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Lebensfreude und positiven Energie die Leute trotz schwierigster Verhältnisse durchs Leben gehen und einander unterstützen. Beziehungen und Nachbarschaft haben eine ganz andere Bedeutung. Ich fühlte mich aufgehoben und integriert in der Community der KATC-Angestellten und ihrer Familien.

Was waren für dich die grössten Herausforderungen?
Die drei Jahre in Kasisi waren prall gefüllt mit Erlebnissen, Begegnungen, Beziehungen – aber auch herausfordernder Knochenarbeit: am KATC meine Rolle zu finden, Finanzmittel für das Molkereiprojekt aufzutreiben, die Molkerei zu realisieren und zu führen, träge Abläufe auszuhalten und immer wieder auftretende Pannen zu meistern. Die Unplanbarkeit und Ungewissheit, auf wen und was ich mich verlassen konnte, machten mir manchmal zu schaffen – und das Gefühl, im Projekt nicht vorwärts zu kommen.
Zudem war es teilweise schwierig, im Projekt nicht die treibende, sondern eine unterstützende Rolle einzunehmen und mit den Menschen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten – wie das in der Personellen Entwicklungszusammenarbeit vorgesehen ist. Als Muzungu (Weisser) war ich immer wieder mit dem Stereotyp des reichen und erfolgreichen Europäers konfrontiert – was für mich ungewohnt war, denn ich pflege ein für schweizerische Verhältnisse einfaches Leben ohne grossen Komfort.


Wir freuen uns, wenn Sie das Engagement von COMUNDO in Sambia unterstützen möchten!

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