In Peru die Rechte der Kinder stärken

Ein Drittel der Bevölkerung von Peru lebt unter der Armutsgrenze, in vielen Familien müssen die  Kinder neben der Schule für ein ausreichendes Familieneinkommen arbeiten. Loïc Studer unterstützt die Partnerorganisation Manthoc, welche sich für die Rechte und die Mitsprache der arbeitenden Kinder einsetzt. Der Spezialist für Kinderrechte stärkt die Mitarbeitenden in Öffentlichkeitsarbeit und Abläufen.

aus HORIZONTE PLUS

Neiser Nuñez, Nicole Aponte und COMUNDO-Fachperson Loïc Studer beim Vorbereiten einer Kampagne (v.l.n.r.).

Nicole Aponte, 15-jährig, hat schon einige Berufe in ihrem Leben ausgeübt: Rezeptionistin im Massagesalon bei ihrer Taufpatin, als Babysitterin und als CD-Verkäuferin. Besonders gern unterstützte sie ihre Tante in einem Spielzeuggeschäft: «Ich mochte diese Arbeit sehr, weil ich viel mit Erwachsenen und Kindern sprechen konnte. Ich empfahl ihnen, welche Spielzeuge für sie passen könnten.»

Kinderarbeit als Alltag
In Peru gehört Kinderarbeit zum täglichen Leben. Etwa ein Viertel hat eine Anstellung, in ländlichen Gebieten sind es mehr als die Hälfte, die arbeiten. Vor oder nach der Schule verkaufen sie Gemüse und Früchte auf dem Markt, helfen in der Landwirtschaft oder sammeln und verkaufen Abfallprodukte fürs Recycling. Für viele Kinder und Jugendliche aus armen Verhältnissen ist dies normal, sie wollen ihre Familie unterstützen.

So verstand auch Nicole Aponte nicht, warum sie nach kurzer Zeit keine Musik-CDs mehr verkaufen konnte: «Die Erwachsenen, die dort einkauften, mochten es nicht, ein Kind arbeiten zu sehen. Vielleicht weil sie dachten, ich werde dazu gezwungen. Dabei haben mir die verschiedenen Jobs gefallen.»

Mitsprache bei ihren Themen
Neben Schule und Arbeit ist Nicole Aponte seit sie neun Jahre alt ist bei MANTHOC aktiv. Die über 40-jährige Organisation ist eine christliche Bewegung für arbeitende Erwachsene und Kinder. Innerhalb der Organisation bestehen mehrere Kinder- und Jugendgruppen, die sich für die arbeitenden Kinder einsetzen. Diese möchten in die Entscheide einbezogen werden, die sie betreffen. Sie organisieren Veranstaltungen, damit ihre Stimme in den politischen Instanzen gehört wird. Für die Bewegung der arbeitenden Kinder geht es um die Anerkennung, dass ein arbeitendes Kind nicht zwingend ein ausgebeutetes Kind ist. Nicole Aponte erklärt: «Ich bin überzeugt, dass die Kurse uns Kindern viel bringen. Neben Themen wie Umwelt und Gewalt lernen wir  unsere Rechte kennen und uns unsere Stellung als arbeitende Kinder bewusstzumachen.»

Unterstützt wird die Bewegung von der COMUNDO-Fachperson Loïc Studer. Der Sozialarbeiter und Spezialist für Kinderrechte unterstützt die Organisation in der Weiterbildung der mitarbeitenden Erwachsenen und Kinder, in der Mittelbeschaffung und im Ausbau der Bewegung. «Die Anregungen von Loïc haben uns in der Planung stark vorangebracht», sagt Neiser Nuñez, zuständig für Mittelbeschaffung. «Auch bezüglich Professionalität konnten wir viel von ihm lernen: Wie man intern kommuniziert und die exakte Arbeitsweise.»

Nationale Delegierte
Nicole Aponte ist seit sechs Jahren bei der Bewegung. Zum ersten Mal ging sie hin, um mit einer Freundin Schulaufgaben zu machen. Sie erinnert sich noch gut an ihre ersten Versammlungen: «Ich war sehr nervös zu Beginn. Ich wusste nicht, wie ich mich vorstellen sollte. In dieser Zeit kannte ich meine Rechte überhaupt nicht.»

Seit einem Jahr ist Nicole Aponte nationale Delegierte, als solche vertritt sie an der politischen Spitze der Bewegung die Rechte der Kinder: «Dank meines Einsatzes und durch die Atelier-Kurse konnte ich dieses Ziel erreichen. Für mich war es eine persönliche, organisatorische und familiäre Herausforderung. Weil zu Beginn traute mir meine Familie nicht zu, dies zu meistern. Heute ist meine Mutter sehr stolz darauf, dass ich die arbeitenden Kinder und Jugendlichen vertrete.»

Dieser Artikel ist im Spendenmagazin HORIZONTE vom Mai 2018 erschienen. Wir freuen uns, wenn Sie das Projekt von Loïc Studer unterstützen möchten!

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