Nach drei Jahren Nicaragua wieder zurück in Bern

Die COMUNDO-Fachpersonen Anne-Sophie Zbinden und Benedikt Ziegler haben in Nicaragua einen dreijährigen Einsatz geleistet und sind vor kurzem mit ihren Kindern Julian und Mayra nach Bern zurückgekehrt – es ist ein Neuanfang, wie damals vor drei Jahren bei der Ankunft in Jinotega.

«Wir sind jetzt wieder in unserem Heimatland, aber nicht unbedingt zu Hause», betonen Anne-Sophie Zbinden und Benedikt Ziegler, die sich in Nicaragua im Auftrag von COMUNDO für die Rechte von Kindern sowie im Bereich Bildung für die nachhaltige Nutzung der Ressourcen einsetzten. Sie seien zwar in einen vertrauten Kontext zurückgekehrt, das Zuhause müsste sich die vierköpfige Familie aber erst wieder aufbauen. So wie vor gut drei Jahren, als sie – damals noch zu dritt – in Nicaragua ankamen: «Zu Beginn waren wir auf uns alleine gestellt und mussten uns erst ein soziales Netz aufbauen. Dabei haben wir im Umgang mit dem Alleinsein viel dazu gelernt», berichtet Benedikt Ziegler. Umso schwieriger sei es gewesen, die lieb gewonnene Heimat wieder zu verlassen: «Wir möchten möglichst eng mit Nicaragua und unseren Freunden dort verbunden bleiben», betont das Paar.

Zu einem Einsatz in der Personellen Entwicklungszusammenarbeit gehört auch, den Lebensstandard der lokalen Bevölkerung zu teilen und mit Weniger auszukommen, als wir es uns hier in der Schweiz gewohnt sind: «Es war für uns eine Genugtuung, dass uns dies auch so gut gelungen ist», erklärt Anne-Sophie Zbinden. Und es war mehr als das: «Wir erlebten es als befreiend, nur das Nötigste zu konsumieren», so die 35-Jährige. Die Leute in der Region Jinotega seien arm und müssten mit wenig Geld auskommen. Folglich gäbe es kein grosses Konsumangebot, was aber völlig in Ordnung gewesen sei.

Radio als Sprachrohr für Kinderrechte
Anne-Sophie Zbinden engagierte sich bei der Partnerorganisation «Tuktan Sirpi» und arbeitete in erster Linie für das «Radio Estéreo Libre», das Kindern und Jugendlichen eine Stimme gibt. «Das Radio erreicht mit seinen Nachrichtensendungen rund 50‘000 Zuhörer/innen», berichtet die Journalistin. Viele von ihnen haben keinen Zugang zu Bildung. Doch mit Hilfe des Radios können Botschaften übermittelt und die Bevölkerung für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen sensibilisiert werden. «Als ich bei «Tuktan Sirpi» angefangen habe zu arbeiten, hatten die Mitarbeitenden zwar das technische Know-How, wussten aber wenig über die Produktion einer Radiosendung und das journalistische Handwerk. Während meines Einsatzes konnten wir die Qualität der Nachrichtensendungen deutlich verbessern.» Anne-Sophie Zbinden koordinierte ausserdem die Arbeiten für die neue Website, die kürzlich online gestellt werden konnte (www.tuktansirpi.org). Damit ist die Grundlage geschaffen für die Weiterentwicklung der Online-Kommunikation.

Benedikt Ziegler unterstützte «La Cuculmeca» in der Organisationsentwicklung. Der Verein für Bildung und Kommunikation engagiert sich für die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen, für eine aktive Bürgerbeteiligung sowie im Bereich Bildung. Der Geograf war gleich von Beginn an gefordert: «‹La Cuculmeca› ist in Nicaragua sehr bekannt, hatte aber leider grössere finanzielle Probleme», berichtet er. Das Wegfallen vieler internationaler Geldgeber sowie Veränderungen auf der Führungsebene hätten der Organisation stark zugesetzt. Heute beschäftige diese noch 30 der ehemals 120 Angestellten. So war der Kontext, als Benedikt Ziegler zum Team stiess: «Wir arbeiteten daran, die neuen Projektanträge besser zu strukturieren und abzustützen, in einen nationalen Kontext einzubetten und gezielt auf die Bedürfnisse der Leute einzugehen.» In der Folge seien nach und nach wieder mehr Projekte bewilligt worden und der Mitarbeiterstamm konnte gehalten werden.

Vorzeigeprojekt zum Thema Klimawandel
Besonders stolz ist der 36-Jährige auf ein mehrjähriges Programm zur Klimawandel-Problematik, das sein Team entwickelte. Dessen Ziele bestehen darin, auf internationaler Ebene Themen in die Klimadebatte einzubringen. Lokal soll ein Forschungsprojekt mit Bauern und Bäuerinnen aufgebaut werden, das neue, an den Klimawandel angepasste Anbauweisen entwickelt. «Das Projekt ist einzigartig in Lateinamerika und war für mich deshalb ein persönliches Highlight», freut sich Benedikt Ziegler.

Was wird die Familie vermissen vom Leben in Nicaragua? Dazu fällt Anne-Sophie Zbinden und Benedikt Ziegler gleich eine ganze Liste von Antworten ein: Den untrübbaren Optimismus der Menschen; die Zeit, die sich die Leute für einen nehmen; Tortillas mit Cuajada (Nationalgericht mit Bohnen und Reis); dass Kinder überall willkommen sind und Lärm machen dürfen; die Ungezwungenheit, Leichtigkeit und Art und Weise, wie die Menschen mit Problemen umgehen. Und schliesslich die Offenheit: «Seit wir wieder hier sind, habe ich schon so viele Gespräche geführt mit Leuten auf der Strasse wie in meinem ganzen vorherigen Leben in der Schweiz zusammen», schmunzelt Anne-Sophie Zbinden. Diese Offenheit und Fröhlichkeit, die sie in Nicaragua erlebt haben, möchten sie für ihr weiteres Leben bewahren.
 

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