Rolle der Schweiz in internationalen Konflikten

Die Schweiz liefert Waffen in Konfliktregionen und verdient viel Geld damit. Welche Rolle nimmt sie ein in internationalen Konflikten und Friedensprozessen? Der WENDEKREIS hat mit Andreas Zumach über dieses Thema gesprochen.

Zumach Syrien

«Mit dem Hintern einreissen, was man vorher aufgebaut hat». Andreas Zumach, UNO-Korrespondent und Stammreferent im RomeroHaus Luzern


WENDEKREIS: Andreas Zumach, in der Schweiz wurde die Kriegsgeschäfte-Initiative lanciert, die Investitionen in die Rüstungsindustrie verhindern will. Welche Rolle spielt die Schweizer Rüstungsindustrie derzeit in internationalen Konflikten?
Andreas Zumach: Die Schweizer Rüstungsindustrie ist zwar nicht eine der allergrössten weltweit, aber sie liefert in die schlimmsten Konfliktregionen der Welt, allen voran in den nahen Mittleren Osten. Der wichtigste und grösste Empfänger von Schweizer Waffen ist ausgerechnet Saudi-Arabien. Damit ist die Schweiz im Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran ganz klar Partei und trägt dazu bei, dass es demnächst möglicherweise zu einem vierten Golfkrieg kommt.

Die Schweiz gilt als neutrales Land und profitiert gleichzeitig stark vom Waffenhandel. Wie geht das zusammen?
Das mit der Neutralität ist immer ein Mythos gewesen, bis zurück in die Zeit von Nazideutschland, wo die Schweiz angeblich auch neutral war, de facto aber sehr viele Waffen an Hitlers Armee geliefert hat. Das hat also nie zusammengepasst. Die Schweiz betreibt Waffenlieferungen nicht nur ohne Rücksicht auf Spannungen, sondern auch ohne Rücksicht auf Menschenrechtsverletzungen. Der Nationalrat hat nämlich im letzten Jahr beschlossen, dass selbst wenn Hinweise auf mögliche Menschenrechtsverletzungen in einem Land bestehen, oder wenn mit aus der Schweiz gelieferten Waffen Menschenrechtsverletzungen begangen werden könnten, dies kein Grund ist, diese Waffen nicht zu liefern.

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Andreas Zumach
Andreas Zumach ist deutscher Journalist mit Schwerpunkt u.a. in Sicherheits- und Friedenspolitik. Der renommierte UNO-Korrespondent diskutiert im RomeroHaus in Luzern regelmässig mit national und international bekannten Persönlichkeiten über aktuelle Themen. Die nächste Veranstaltung in der Reihe «Politik aktuell» findet am 23. Oktober 2017 statt zum Thema «Ist die Demokratie noch zu retten?». Flyer

Kriegsgeschäfte-Initiative
Die Eidgenössische Volksinitiative «Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» verlangt eine rechtliche Unterbindung von Investitionen in die Rüstungsindustrie. Jetzt informieren und online unterschreiben unter www.kriesgeschaefte.ch.

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