Nachhaltiger Wissensaustausch in Nicaragua

Marta Ostertag und Matthias Leuenberger arbeiteten drei Jahre als COMUNDO-Fachpersonen in Nicaragua. Sie unterstützten und berieten eine Kleinbauernorganisation in den Bereichen partizipative Erwachsenenbildung, erneuerbare Energien und bei der Anpassung an den Klimawandel. Aus dem Sprung ins kalte Wasser wurde eine aussergewöhnliche und bereichernde Lebenserfahrung.

«Wir haben enorm viel gelernt, beruflich und auch im zwischenmenschlichen Bereich», berichten Marta Ostertag und Matthias Leuenberger, die kürzlich aus ihrem Einsatz in Nicaragua zurückgekehrt sind: «Es galt, an einem fremden Ort von Grund auf neu anzufangen, Freundschaften aufzubauen und unseren Alltag einzurichten. Dadurch haben wir andere Seiten an uns entdeckt.» Das Paar, das vor seiner Ausreise in Rudolfstetten-Friedlisberg gewohnt hat, arbeitete bei ADDAC (Organisation für Diversifizierung und kommunale ländliche Entwicklung), die sich in der Region Matagalpa im Norden Nicaraguas für die Förderung der Bio-Landwirtschaft einsetzt. Marta Ostertag konzeptionierte neue Weiterbildungsangebote für Kleinbauern und für Angestellte von ADDAC und entwickelte diese weiter. «Als Ethnologin habe ich keine Fachkenntnisse in Landwirtschaft und Anbaumethoden. Darum ging es bei meiner Aufgabe aber auch nicht.» ADDAC will die Partizipation der Bauern und deren gegenseitigen Wissens- und Erfahrungsaustausch stärken – dabei hat Marta Ostertag sie unterstützt. Gemeinsam zeigten sie den Menschen auf, wie sie durch eine stärkere Zusammenarbeit mehr erreichen können. Z.B. indem sie sich genossenschaftlich organisieren, Produkte gemeinsam vermarkten oder in der Gruppe Themen wie Generationenwechsel, Abwanderung in die Städte oder Genderrollen reflektieren. Anfangs sei es schwierig gewesen, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Die anfängliche Skepsis habe sich jedoch mit der Zeit zu einem nachhaltigen Austausch entwickelt.

Klimawandel hinterlässt Spuren
Die Aufgabe von Matthias Leuenberger war es, die Lebensbedingungen der Kleinbauern/-bäuerinnen durch die Nutzung von erneuerbaren Energien zu verbessern. Auch bei seiner Arbeit sei es wichtig gewesen, die Leute von Beginn an mit ins Boot zu holen. «Oft interessierten sie sich für ganz andere Technologien, als ich erwartet hätte», schmunzelt der Umweltwissenschaftler und erklärt: «Eine neue Installation konnte noch so gut sein, zum Einsatz kam sie nur, wenn die Bauern sich dafür interessierten.» Das war z.B. der Fall beim Grauwasserfilter, dank dem die Felder mit sauberem Wasser bewässert werden können, oder dem Kochherd mit Rauchabzug, der in den stickigen Küchen der Bauernfamilien ein besseres Klima schafft und gesundheitsschädigende Stoffe und den Brennholzbedarf verringert.

Nicaragua ist eines der Länder, die dem Klimawandel weltweit am stärksten ausgesetzt sind. «Es hat mich oft betroffen gemacht, wie stark die Kleinbauern dieser Krise ausgesetzt sind», sagt Matthias Leuenberger. In manchen Dürrejahren lohne sich der Anbau von Getreide und Gemüse kaum noch: «Da gibt es mir zu denken, dass wir in den westlichen Ländern nicht mehr zum Klimaschutz beitragen», so Matthias Leuenberger. Er und Marta Ostertag berichten, dass sie durch den Einsatz noch stärker für globale Zusammenhänge sensibilisiert wurden. Auch hätten sie eine breitere, weniger eurozentrierte Perspektive eingenommen. Der Blick auf Europa und die Welt sei von Lateinamerika aus doch sehr anders.

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